1. Wie Google dich sieht: dein Persönlichkeitsprofil
Welches Profil Google über dich angelegt hat, zeigen die Anzeigeneinstellungen. Über diesen Link kannst du sehen, nach welchen Kriterien Google Anzeigen einblendet. Dabei kommt zum Beispiel heraus, dass Google das Geschlecht, das Alter, die Sprache und diverse “Interessen” kennt. Die “Interessen” leitet Google aus den bisherigen Aktivitäten bei Google-Diensten ab. Diese Informationen kannst du bearbeiten – oder komplett deaktivieren. Dazu klickst du unten in der Zeile “Deaktivierungseinstellungen” in beiden Spalten auf “deaktivieren”. Auch wer kein Google-Konto hat, kann hier Informationen finden – und die interessenbezogenen Anzeigen deaktivieren.
2. Wonach du bei Google suchst: deine Suchhistorie
Google speichert deine Suchanfragen. Die peinlichen wie die rühmlichen. Du kannst hier sehen, was Google sich gemerkt hat. Du kannst Einträge löschen und die Erfassung pausieren lassen – und alle bei Google gespeicherten Daten zu exportieren! Um die Einträge zu löschen, musst du zunächst die Checkbox neben der Schaltfläche “Einträge entfernen” aktivieren, und dann die Schaltfläche anklicken. Alternativ kannst du auch einzelne Suchbegriffe über deren Checkbox markieren und löschen.
3. Wo Google dich sieht: dein Bewegungsprofil
Die Location-History, eine Art Bewegungsprofil, funktioniert nur, wenn man ein Android-Gerät benutzt, das Google jeweils den eigenen Aufenthalt mitteilt. Wo du dich in der Vergangenheit aufgehalten hast, erfährst du also in Googles Standortverlauf. Der Standortverlauf lässt sich löschen. Klicke dazu auf “Verlauf für diesen Tag löschen” oder auf “Gesamten Verlauf löschen” (links unter dem Kalender).
4. Welche Geräte Google sieht: deine Technik
Google weiß aber nicht nur, was dich interessiert, sondern auch, auf welchen Geräten du die Googledienste nutzt, zu sehen auf der Seite Geräte & Aktivitäten. Die zu löschen, ist nicht möglich. Es gibt nur einen Weg, diese Daten Google nicht zur Verfügung zu stellen: Du entfernst alle Google-Anwendungen von allen Geräten
5. Welche Anwendungen deine Google-Daten nutzen: deine Apps
Google zeigt auch an, welche Apps und Programme auf Google-Infos zugreifen, etwa auf das YouTube-Konto oder die in Gmail gespeicherten Kontakte (LinkedIn macht das beispielsweise). In den Kontoberechtigungen siehst du alle Apps, denen Du Zugriff gewährt hast.
6. Wer du bist: dein Google-Ich
Und schließlich bietet Google die Möglichkeit, die komplette Such-Historie anzuschauen und alle bei Google gespeicherten Daten zu exportieren. Das Tool heißt Takeout. Die gesammelten Daten sollte man dann aber besser sehr gut verwahren und nur verschlüsselt archivieren.
Friday, 21 November 2014
Was Google über Dich weiß
Tuesday, 18 November 2014
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Sunday, 2 November 2014
The YouTube Money Machinery
Since my channel (uploads) got a certain amount of views and subscribers, I get these strange PMs which I don't have any use for, since the scheme is only for 100% self created videos. Is it really so difficult to see that almost all my uploads actually violate copyrights of others?
Saturday, 1 November 2014
Dialog zum Kapitalismus
Zu einem meiner Uploads bei YouTube (arte - Kapitalismus) gab es einen interessanten Dialog, den ich in diesem Blog festhalten möchte.
PerAsperaAdAstra74
Kapitalismus hat einzig und allein eine Bedeutung: Privateigentum an den Produktionsmitteln. Es geht überhaupt nicht an, Sklaverei und Kapitalismus gleichzusetzen! Sklaverei ist das absolute Gegenteil von Kapitalismus. Im Kapitalismus kann Arbeit verweigert werden. Das schlimmste, was passieren kann, ist dass man gefeuert wird, bzw. für den Unternehmer, dass ein Arbeiter kündigt!
Wenn man mit Todesdrohungen und Vergewaltigung zur Arbeit - die ein Produktionsmittel ist, über das jedes Individuum als solches verfügt - zwingt, liegt Sozialismus vor. Sozialismus heißt, dass jemand anderes die Produktionsmittel, dazu gehört ganz nüchtern de facto auch die Arbeit der Menschen, BESITZT, und der Tausch voll und ganz ausgeschaltet wird. Ob ein Mensch in Erscheinung eines Unternehmers oder eines Staatsmannes diese Macht innehat, ist ein rein formaler Unterschied.
Natürlich kann passieren, dass in einem Markt mit mangelnden Wettbewerb zwischen den Unternehmern, die Arbeiter den Preis, für den sie ihre Arbeit anbieten, drücken müssen- sogar soweit, dass jede Möglichkeit zum Sparen und damit zum zukünftigen Planen ausgeschaltet wird. Ich will den Kapitalismus, der nicht zwangsweise Wettbewerb verbürgt, nicht rosig reden. Gefeuert werden oder kündigen, kann für den Arbeiter und auch für den Unternehmer völlig katastrophale Folgen haben, aber die klare Erfassung dessen was Kapitalismus de facto ist, sollte in einer 6-teiligen Doku mit dem Titel Kapitalismus trotzdem mal beiläufig erwähnt werden.
Sklaverei, d.i. den Arbeitern die Verfügungsgewalt über ihr Arbeit zu verweigern, kann nur durch Zwang und Gewalt aufrecht erhalten werden und eingeführt werden. Der Unterschied zwischen einem Unternehmer, der dies tut und einem Staat der dies tut, besteht nur darin, dass der Staat dies im Namen des Volkes machen kann. Doch egal ob Staat oder Unternehmer, beide Verhalten sich bei Sklaverei von Grund auf antikapitalistisch.
Sie unterdrücken die Grundbedingung für den Wettbewerb, der in einer durchgehend kapitalistischen Gesellschaftsordnung von Unternehmern und Kapitalisten genauso ertragen werden muss, wie von Arbeitern. Sklaverei ist kein Konzept für Wohlstand, sondern der Weg zur Armut für die breiten Massen.
manuelraichle
Zum Kapitalismus gehört wesentlich mehr, als das Privateigentum an den Produktionsmitteln. Wenn man Kapitalismus allein so definieren würde, bekäme man eine zu schwammige Definition, die auf zu viele Produktionsregime anwendbar wäre. Wie du nachher selbst sagst gehört unter anderem die Dimension des Tausches dazu. Aber nicht nur der Tausch ist entscheidend, auch die Produktionssphäre im Bezug auf den Tausch ist entscheidend. Denn im Kapitalismus sind es Waren, die getauscht werden. Entscheidendes Merkmal ist es auch, dass die Warenform der Dinge alle anderen Formen überwiegt: Kapitalismus kann nur in wanreproduzierenden Gesellschaften existieren.
Deswegen ist deine Annahme zu kurz gegriffen. Im Beitrag wird gesagt: Sklaven wurden in dieser frühkapitalistischen Zeit der Kolonien PRODUZIERT, sie stellten selbst die Waren dar, sie hatten Tauschwert und Gebrauchswert. Die Anzahl freier am Markt tätiger Individuen war in dieser Zeit einfach kleiner als heute. Auch waren Sklaven keine Konsumenten, sie waren sozusagen doppelt unfreie Individuen: Unfrei die Arbeitskraft so zu verausgaben wie sie wollten und unfrei ihren Konsum so zu wählen wie sie wollten.
Daraus zu schließen, dass der Kapitalismus MIT Sklaverei nicht funktioniere ist schlichtweg falsch. Dieser Frühkapitalismus behandelte ledigich Menschensklaven als Ware, sie sind vergleichbar mit heutigen Maschinen, die ebenfalls Ware sind, Produktionsmittel aber nicht freier Konsument und Produzent.
Deine Definition von Sozialismus ist ebenfalls krude und so offensichtich provokant, dass man gleich durchschaut welch Kind es geschrieben hat. Daher möchte ich darauf nicht eingehen.
PerAsperaAdAstra74
Hallo,
habe deinen Kommentar interessiert gelesen, auch wenn Du eine stolze Floskel am Ende nicht zurückhalten konntest oder wolltest. Sicher kommt in meinem Kommentar meine Beurteilung der verschiedenen Gesellschaftsordnungen - Kapitalismus und Sozialismus - klar zum Vorschein, ebenso wie in deinem Kommentar deine Beurteilung zum Vorschein kommt. Ich werde auch genauso wenig wie Du meine Zeit damit vergeuden zu versuchen in Youtube Kommentaren andere Leute von meinem Urteil zu überzeugen. Aber auf die Inhalte deines Kommentars möchte ich nichts desto weniger eingehen.
Die Bedeutung des Wortes "Kapitalismus", ebenso wie die des Wortes "Sozialismus" ist eindeutig. Es ist richtig, dass verschiedene Wissenschaften auf die Begriffe unter verschiedenem Verständnis Bezug nehmen. Geschichte z.B. kann unter Umständen eine Geschichtsepoche meinen, wenn sie vom Kapitalismus oder Sozialismus spricht. Doch die handlungstheoretische Definition ist ganz und gar unumstritten und auch nicht schwammig. Kapitalismus = Privateigentum an den Produktionsmitteln. Was könnte klarer sein als das?
Diese Tatsache ist auch hinreichend, um den diametralen Gegensatz zwischen Sklaverei und Kapitalismus erkenntlich zu machen. Sklave zu sein heißt, dass der Eigentümer des Sklaven über die Verwendung des Sklaven, die Arbeitskraft des Sklaven inbegriffen, voll und ganz verfügt. Der Sklave hat kein Recht auf Kompensation, der Sklave kann nicht kündigen. Der Sklave kann seine Wünsche nicht zu Zielen und Zwecken erheben. Der Sklave ist per Definition nicht der Wegweiser seiner Tätigkeiten.
Sklaverei kann ganz als die Abwesenheit von Kapitalismus zusammengefasst werden.
Insofern Sklaverei die Grundlage des Wirtschaftens in einer Gesellschaft bildet, ist diese Gesellschaft auch nicht kapitalistisch. Hierbei handelt es sich auch nicht um eine Meinung. Dass Sklaverei und Kapitalismus grundsästzlich gegensätzlich sind, ist Fakt. Entweder Du bist Sklave oder freier Arbeiter.
Aber Du hast ganz berechtigt darauf verwiesen, dass zum Kapitalismus viel mehr gehört, als nur das Privateigentum an den Produktionsmittel. Völlig richtig. Der Kapitalismus, also das Privateigentum an den Produktionsmitteln ist die notwendige Bedingung für die Marktwirtschaft. Ohne Kapitalismus keine Marktwirtschaft und auch keine marktwirtschaftlichen Erscheinungen. Du redest von "Dimension" des Tausches.
Die Vorbedingung zum Tauschen ist natürlich die, dass man über etwas verfügt, das man gegen etwas anderes eintauschen kann.
Ich substituiere also in deinem Satz: "Daraus zu schließen, dass der Kapitalismus MIT Sklaverei nicht funktioniere ist schlichtweg falsch." den Begriff "Kapitalismus" mal mit "Marktwirtschaft" um den in deiner Kritik angesprochenen Problemen so gut wie möglich beizukommen. Dazu müssen wir zuerst gucken, welche Rolle das Privateigentum an den Produktionsmitteln für die Marktwirtschaft genau spielt. Danach können wir deduzieren in welchem Verhältnis die Marktwirtschaft zur Sklaverei und in welchem Verhältnis Kapitalismus vermittelt über den Markt zu Sklaverei steht.
Wenn Kapitalismus Privateigentum an den Produktionsmitteln heißt und Sozialismus Gemeineigentum an den Produktionsmitteln heißt, bedeutet dies, dass im Sozialismus nur Genußgüter (Güter, deren Zweck ihre Konsumtion ist) getauscht werden können. Du kannst das Kommunistische Manifest gegen meine Weintrauben eintauschen, vorausgesetzt du möchtest lieber meine Weintrauben essen als im Manifest lesen und ich möchte lieber im Manifest lesen als meine Weintrauben verzehren. Das dürfen wir tun. Danach ist aber auch schon Schluss. Denn wenn wir anfangen Weinreben anzulegen und das Kommunistische Manifest zu drucken, ziehen wir unsere Arbeitskraft aus Produktionszweigen ab, die dem Urteil unserer Planwirtschaftsbehörde nach viel besser anders verwertet werden kann. Wenn die Planer unserer Meinung wären, würden wir nämlich von Anfang an Manifeste und Weintrauben produzieren und auch zu dem Verhältnis, mit dem wir uns beide einverstanden erklären könnten. Nicht nur unsere Arbeitskraft müsste aus "wichtigeren" Produktionszweigen abgezogen werden, sondern auch alle anderen Produktionsmittel, die in der Produktion der von uns begehrten Produkte involviert sind.
Im Kapitalismus hätten wir zwei die Option uns an der Produktion der von uns begehrten Waren zu versuchen. Die Austauschverhältnisse der Produktionsmittel wären an das Wertkalkül gebunden, das die Verbraucher dem Produkt beimessen, zu dessen Entstehung die Produktionsmittel beitragen. Die Entscheidungen der Verbraucher koordinieren wer produziert und was produziert wird. Die Veränderungen der Preise signalisieren, ob die Leute unter bestimmten, einmaligen Umständen eher die Weintrauben wollen oder das Manifest, und wenn es um uns beide geht, ob wir überhaupt tauschen wollen. Die Verhältnisse in denen die Güter und Dienstleistungen zueinander stehen wären nicht zufällige, rein quantitative Verhältnisse. Sie wären Ausdruck der Werturteile der am Tauschverkehr beteiligten Individuen.
Steigende Nachfrage resultiert zunächst in einer Tendenz zu höheren Preisen. Diese geben Anreiz zu einer erhöhten Produktion, einer weiteren Auflage vom Manifest zum Beispiel, der natürlich auch andere Verleger neben dir nachkommen möchten. Es folgt eine Tendenz zur Preissenkung. So was und ähnliches nennt man Preismechanismus.
Im Sozialismus gibt es keinen Preismechanismus. Es bilden sich keine Austauschverhältnisse von Produktionsmitteln, die in irgendeiner Weise mit den Werturteilen der Verbraucher über die Konsumgüter, an deren Herstellung die Produktionsmittel beteiligt sind, korrespondieren. Auch wenn es freien Austausch von Genußgütern gibt; eine Änderung des Austauschverhältnisses von Manifest und Weintrauben von 5:1 zu 1:1 auf dem Markt für Genußgüter gibt überhaupt keinen Aufschluss darüber, was es für die Produktion von Weintrauben und allen anderen Genußgütern bedeuten würde, wollte man die Produktionsmittel so koordinieren, dass der Wertsteigerung des Manifestes gegenüber den Weintrauben genüge getan wird. Wie stark würden die Verbraucher den Verlust einer vorigen Bedürfnisbefriedigung gegenüber der neuen Bedürfnisbefriedigung von mehr Manifesten gewichten? Wir haben keine Tauschrelationen der involvierten Produktionsmittel zur Hand. Es gibt keine Preise, die wir heranziehen können, weil die Produktionsmittel vergesellschaftet sind; weil sie nicht im Tauschverkehr stehen. Wenn das Wohl der Bevölkerung das Ziel der Planer ist, haben sie keine andere Möglichkeit als ahnungslos herum zu probieren, was wohl das Beste sein könnte. Sie werden nicht umhin können, die Interessen einiger Leute über die von anderen zu stellen. Und doch können sie nicht zulassen, dass diese Benachteiligten sich selbstständig machen. Sie brauchen sie ja für ihren Wirtschaftsplan.
Marktwirtschaft und Sklaverei sind also durchaus parallel denkbar. Aber nur weil in der Sklaverei, wie wir sie aus der Geschichte kennen, es eine Vielzahl an Sklavenhaltern gab. So war es möglich, dass sich für die Arbeit der Sklaven Preise gebildet haben.
Doch diese Preise können nur etwas über das Wertkalkül derjenigen aussagen, die eben keine Sklaven waren. Sie sagten was über das Wertkalkül derjenigen aus, die den Luxus hatten, über sich selbst frei entscheiden zu können. Das heißt, je mehr Sklaven wir haben, desto weniger werden die Wertkalküle der am Wirtschaftsprozess beteiligten Menschen zum Ausgangspunkt des Wirtschaftsprozesses selbst.
Wenn wir uns vorstellen, dass wir nur einen Sklavenhalter haben, der alle anderen Menschen zu Sklaven hat, stellt sich ihm das gleiche handlungstheoretische Problem wie dem Planer unseres sozialistischen Gemeinwesens. Er ist schlicht nicht fähig, die Gesellschaft entsprechend zu organisieren.
Fazit:
Marktwirtschaft und Sklaverei können solange koexistieren, wie die Sklaverei in die Marktwirtschaft eingebettet ist: Wenn die Sklaverei nicht Ausgangspunkt ALLER wirtschaftlicher Tätigkeit ist, d.h. wenn es mehr als einen Menschen gibt, der kein Sklave ist, können entsprechend mehr Wertkalküle Wirkung entfalten. Aber eben nur derjenigen Werturteile/kalküle deren Urheber nicht Sklaven sind. Haben wir nur einen Sklavenhalter, haben wir auch keinen Markt und keinen Kapitalismus.
Sklaverei ist mit der notwendigen Bedingungen der Marktwirtschaft - Kapitalismus - zu 100% unvertäglich.
Die freie Arbeit hat die Sklavenarbeit verdrängt, weil sie effizienter war. Die Sklavenarbeit wurde verdrängt nicht durch humanitäre Einsichten, sondern weil die freie Arbeit die Sklavenarbeit voll und ganz auskonkurriert hat.
manuelraichle
Na das hört sich doch schon anders an, als dein erster Kommentar. Denn genau darauf wollte ich hinaus: Der Kapitalismus (der mehr als Marktwirtschaft ist) funktioniert wunderbar mit Sklaven, so lange es neben den Sklaven auch noch freie Individuen gibt, die miteinander Privateigentümer tauschen können. Deine Robinsonade von einer Welt mit nur einem Sklavenhalter hat es ja nie gegeben und ist auch völlig undenkbar. Die Situation, die hier im Arte-Beitrag erwähnt wird, und darauf bezog sich dein Kommentar, ist, dass Sklaven produziert wurden, wie Waren oder genauer: Wie Maschinen. Sie waren also selbst Produktionsmittel und nicht Produktionsmittelbesitzer. Die produktionsmittelbesitzer waren die Sklavenhalter, die die Produkte der Sklavenarbeit getauscht haben. Nochmal: Zu behaupten, der Kapitalismus könne mit Sklavenarbeit nicht existieren, ist genauso wie zu sagen, der Kapitalismus könne mit Maschinenarbeit nicht funktionieren. Die Sphäre der Produktion ist in diesem Fall nicht entscheidend, sie könnte auch komplett ohne menschliche Arbeit stattfinden und trotzdem ein kapitalistisches System am Laufen halten, was nach deiner Definition lediglich der autopoietische Fortgang und die Reproduktion des Mechanismus des Privateigentums an Produktionsmittel beinhaltet. Aber wenn ich deinen langen Kommentar richtig eingeordnet habe, hast du das ja genau so gesehen.
Immernoch ist deine Argumentation im Bezug auf die Definition von Kapitalismus und Sozialismus extrem vereinfacht. Zu behaupten, die Begriffe seien widerspruchsfrei so zu definieren und von jedem anerkannt, ist doch äußerst mutig. Du beziehst die Definition auf die Handlungstheorie, auch das hast du im ersten Kommentar verschwiegen. Nur trotzdem ergibt sich nicht alles, auch in halndlungstheoretischer Sicht, was Merkmal des Kapitalismus ist, aus deiner Prämisse: alle Produktionsmittel sind in Privateigentum. Denn um beide -Ismen voneinander zu unterscheiden hilft auch folgendes Merkmal: Während Kapitalismus auf Bedürfnisweckung ausgelegt ist, ist Sozialismus auf Bedürfnisdeckung ausgelegt. Warum ist der Kapitalismus auf Bedürfnisweckung angewiesen? Weil er grenzenloses Wachstum fordert. Warum tut er dies: Weil ein weiterer entscheidender Moment des Kapitalismus das streben der Kapitalbesitzer nach mehr Kapital ist. G-G'. Deiner Definition nach würde sich dieses Merkmal autopoietisch aus der Grundannahme, dass alle Produktionsmittel in Privateigentum sind, entwickeln. Dafür gibt es allerdings keinen Beweis, es ist lediglich Bestandteil der klassischen Ökonomietheorie, dass jeder Teilnehmer am Markt auf Profitmaximierung aus sei.
Das Problem bei deiner kurzen Definition ist nicht, dass sie falsch ist. Das Privateigentum an Produktionsmitteln ist der wichtigste Bestandteil des Kapitalismus. Allerdings können wir durch eine solche Definition viele Produktionsregime nicht eindeutig zuordnen. Es gibt und gab einige Produktionsregime, in denen die Produktionsmittel in Privateigentum waren, die Produktionsmittelbesitzer allerdings nicht Profitmaximierend gehandelt haben (Feudalismus). Wir könnten mit deiner Definition Feudalismus und Kapitalismus nicht auseinanderhalten.
Nebenbei gesagt dreht sich meine Kritik lediglich um diesen Punkt. Alles andere hast du wirklich ausgezeichnet dargelegt.
PerAsperaAdAstra74
puh, es ist kraftraubend, auf das einzugehen, was du schreibst. Ich werde diese Kraft nicht weiter aufwenden, auch wenn ich es sehr achte, dass man sich zivilisiert austauscht. Fasse das aber um Gottes willen nicht so auf, dass ich auf deine Einwendungen nichts zu entgegnen weiß :). Ich will uns beiden nur einen weiteren Roman ersparen, zudem bin ich ganz schön busy mit dem Studium.
Ich fände folgendes am Besten: Du empfiehlst mir ein Buch, und ich empfehle dir ein Buch bezüglich der Thematik, in das wir rein schnuppern können, wenn wir jeweils die Zeit finden. Ich werde dir jedenfalls ein Buch empfehlen, denn du scheinst interessiert zu sein in die Thematik. Die ersten 50-60 Seiten dieses Buches befassen sich mit deinen Einwendungen. Die restlichen 700 kannst du lesen, wenn Du Ökonom werden willst. Hier ist ein kleiner Ausschnitt, der vielleicht deine Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Der Titel des Buches ist: "Nationalökonomie - Theorie des Handelns und des Wirtschaftens" Der Name des Autors: Ludwig von Mises.
"Die Bedeutung dieser radikalen Wendung des Denkens wurde zunächst freilich noch für mehr als hundert Jahre dadurch eingeschränkt, dass man dachte, sie beziehe sich nur auf einen engen Ausschnitt aus dem Gesamtfelde des menschlichen Handelns, auf die Markterscheinungen. Die klassische Nationalökonomie stieß auf ein Hindernis, das sie nicht zu überwinden vermochte, auf die scheinbare Antinomie des Wertes, und sah sich genötigt, ein gekünsteltes System um ihre missglückte Wertlehre herum zu bauen. Die Nationalökonomie blieb zunächst Lehre von der wirtschaftlichen Seite der menschlichen Handlungen, Lehre vom wirtschaftlichen Handeln, neben dem noch anders geartetes Handeln denkbar ist. Der Umsturz des Denkens, den die Klassiker eingeleitet haben, wurde erst durch die subjektivistische Nationalökonomie vollendet, die die Theorie der Marktpreise zur Theorie der Wahlakte ausgestaltete.
Man hat lange Zeit gebraucht, um zu erkennen, dass es bei dem Übergang von der klassischen Wertlehre zu der modernen Wertlehre um mehr ging als um die Verdrängung einer unhaltbaren Wert- und Preislehre durch eine befriedigendere. Die Theorie der Wahlakte reicht über den Problemkreis hinaus, den man von Cantillon, Hume und Smith bis John Stuart Mill als den nationalökonomischen angesehen hat. Sie ist mehr als bloß Lehre von der wirtschaftlichen Seite des menschlichen Handelns oder von dem auf die Versorgung mit materiellen Gütern gerichteten menschlichen Handeln. Sie ist die Lehre von allem menschlichen Handeln schlechthin. Im Wählen fallen alle menschlichen Entscheidungen. Im Wählen wird nicht nur zwischen materiellen Gütern und persönlichen Diensten entschieden. Alles Menschliche steht zur Wahl; jedes Ziel und jedes Mittel, Materielles und Ideelles, Hohes und Gemeines, Edles und Unedles stehen in einer Reihe und werden durch das Handeln gewählt oder zurückgestellt. Nichts, was Menschen begehren oder meiden wollen, bleibt der Ordnung und Reihung durch die Wertskala und durch das Handeln entzogen. Die subjektivistische Nationalökonomie erweitert das von den Klassikern bearbeitete Forschungsgebiet: aus der politischen Ökonomie geht die allgemeine Lehre vom menschlichen Handeln, die Praxeologie, hervor. Die nationalökonomischen oder katallaktischen Probleme sind eingebettet in eine allgemeinere Wissenschaft und können aus diesem Zusammenhang nicht mehr losgelöst werden. Keine Behandlung nationalökonomischer Probleme kann darauf verzichten, von den Wahlakten auszugehen; die Nationalökonomie wird zu einem Teil, wenn auch zum wichtigsten Teil, einer allgemeineren Wissenschaft, der Praxeologie."
Wenn du eine Buchempfehlung für mich hast, nehme ich diese gern wahr.
Machst gut! :)
manuelraichle
Erstmal muss ich sagen, dass ich deinen Umgangston schätze. Ich bin sowieso nur auf deinen Anfangskommentar eingegangen, weil solche langen und eloquenten Kommentare nie zu sehen sind bei Youtube. Ich finde das wirklich wünschenswert, dass man sich hier auch ausführlicher austauscht.
Ich finde deinen Vorschlag sehr gut. Ich hatte einmal ein Seminar Namens "Die Soziologie der Gabe", in welchem auch einiges an Handlungstheorie vorkam. Auch wenn mir dein Buchvorschlag zu sehr in die entgegengesetzte Richtung von meiner zu gehen scheint, werde ich mich mal einlesen. Wie sagt der Seneca noch? Dem guten Strategen gefällt es auch im feindlichen Lager zu schnuppern, oder so ähnlich ;-)
Was kann ich dir empfehlen? Naja da wäre zum Beispiel Marx. In deinem Zitat (Einleitung des buchs?) kommt der Autor auf eine interessante Sache zu sprechen, mit der ich mich vor nicht allzulanger Zeuit beschäftigt habe, nämlich die Werttheorie. Marx Wertlehre gilt als überholt und falsch, Neomarxisten der 70er Jahre wollen das nachgewiesen haben. Ich halte sie immernoch für gültig und stehe damit nicht alleine. Dieter Wolf hat versucht die Wertlehre von Marx nochmals zu überprüfen und er kommt zum gleichen Ergebnis: Diese Theorie gehört nicht ins Archiv, sondern auf den Tisch.
Wolf zu lesen ohne Marx zu kennen ist zwar sehr schwer, aber es gibt einen recht schönen Einstiegstext von ihm, der auch frei verfügbar ist: click
Ansonsten empfehle ich das Kapital Band 1, die ersten 2 Kapitel. Entgegen vielen Unkenrufen, ist das Kapital nicht schwer zu lesen, ganz im Gegenteil.
Danke für den schönen Austausch und viel Erfolg beim Studium!
PerAsperaAdAstra74
Danke auch dir für den freundlichen Austausch! Ich wünsche dir ebenfalls alles Gute! :)
Und es freut mich, dass unsere kleine Diskussion auf die einzig sinnvolle Weise endet. Denn keiner von uns beiden vertritt seine Position als Selbstzweck. Uns liegt offensichtlich etwas an der Thematik. Deshalb werde ich auch in das reinlesen, was du mir empfohlen hast; das Kapital habe ich bei mir zu Hause stehen. Und die Pdf Datei habe ich abgespeichert.
Bei dem Zitat handelt es sich Tatsächlich um einen Ausschnitt aus der Einleitung. Hier ist der Link zur PDF Datei des gesamten Buches: click
Wenn Mises polemisiert, nimm es milde :)
also dann, noch mal Danke für die schöne Diskussion und auch dir viel Erfolg!
visornet24
Der gleiche Zwang wie in der Sklaverei wird im Kapitalismus (Sklaverei modernisiert) dadurch erreicht, daß eine Verweigerung am Kapitalismus teilzunehmen, einer sozialen Verhungerung gleich kommt.
Juergen Rettel
Er denkt noch in alten Kategorien.
Richtig ist, Kapitalismus ist Privateigentum an den Produktionsmitteln, Sozialismus ist Vergesellschaftung der Produktionsmittel.
1. Friedman´s Negative Einkommensteuer mit 50 % Grenzsteuersatz schließt die Schere zwischen Arbeit und Kapital, und bGE als solche Sozialdividende ist dann die "Halbvergesellschaftung" der Produktionsmittel, also genau die Synthese zwischen Markt und Gesellschaft, von Hayek und Marx.
2. Die "Versklavung" ist in der EU durch Art. 123 AEUV (Lissabonner Vertrag) gegeben, die Staaten dürfen sich nicht bei ihrer EZB verschulden, sondern müssen sich bei Privatbanken verschulden. Damit sind die Bürger die Schuldner der Banken.
Friedman formulierte das so : Geld regiert die Welt. Wer regiert das Geld ?
Von Hayek und Keynes haben das noch nicht so klar sehen wollen, die Brisanz von Friedman wird in beiden Schulen unterdrückt.
Ausdruck der Sklavenhaltermentalität ist Götz Werner mit Neuer Lohn = altes Netto - bGE.
Das ist der Rückfall in die vorliberale Leibeigenschaft der Bürger. Sie schließt auch nicht die Schere zwischen Arbeit und Kapital, im Gegenteil, Löhne werden gekürzt, Gewinne bleiben steuerfrei!
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Friday, 31 October 2014
Another Angry Voice: What is universal basic income?
Arguments in favour
• Technology and automation
• Wealth Redistribution
• Efficiency
• Smaller government
• Reduced crime
• Balanced Labour Market
• Innovation and small businesses
• Better capitalism
• Social justice
Arguments against
• Loss of work incentive
• Idleness
• Something for nothing
• Reciprosity
• Welfare for the rich
• Inflation
Disclaimer
I've outlined some of the arguments for and against Universal Basic Income. The problem is that most of the arguments in favour are backed by empirical evidence and sound economic reasoning, but most of the commonly raised arguments against don't make any sense at all from an economic perspective, are contradicted by the evidence, and amount to little more than opinion. This means that it is absolutely impossible to construct a "balanced" article without giving the completely false impression that the arguments against are somehow equal to the arguments in favour, when aside from the valid concerns over inflation, they are transparently not.
Source 1
Source 2
Why Universal Basic Income is a Better Alternative to the Welfare State
Wednesday, 29 October 2014
Die Märchen der Medizin
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1 Die Hände sollte man nach dem Toilettengang nicht nur waschen, sondern desinfizieren
2 Der keimbelastetste Ort ist die Toilette
3 Man muss mindestens drei Liter Wasser am Tag trinken
Wasser ist das wichtigste Nahrungsmittel von allen. Schließlich verdurstet man viel schneller, als man verhungert. Aber machen wir es an dieser Stelle kurz und räumen auf mit der Mär von den vielen Pflicht-Litern. Der Körper weiß selbst, wie viel Flüssigkeit er benötigt, und meldet sich bei Bedarf – das nennt sich dann Durst. Mehr braucht er nicht. Ausnahmen gibt es bei alten Menschen, deren Durstgefühl manchmal nicht mehr richtig anspringt. Sie sollten ab und an dazu animiert werden, etwas mehr zu trinken.
4 Testosteron macht (Männer) aggressiv
5 Cholesterin ist böse
6 Der Körper muss regelmäßig entschlackt werden
7 Lesen bei schwachem Licht schadet den Augen
8 Ein Kind sollte möglichst lange gestillt werden
9 Vor dem Sport sollte man sich dehnen
10 Nächtliche Mahlzeiten machen besonders dick
11 Kinder, die Kinderkrankheiten wie Masern durchmachen, haben ein besser geschultes Immunsystem
12 Krebsfrüherkennung rettet viele Leben
13 Rotz in der Nase darf man nicht hochziehen
14 Bei Nasenbluten hilft es, sofort den Kopf nach hinten zu legen
15 Schokolade ist schuld an Akne
16 Rohes Gemüse ist besonders gesund
17 Der Schlaf vor Mitternacht ist der wertvollste
18 Eine Rasur lässt das Haar wachsen
19 Angeschaltete Handys im Krankenhaus stören die elektrischen Geräte
20 Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns
Mythen, an die sogar Ärzte glauben
21 Bestimmte Stoffe oder eine Kniespülung helfen bei Kniegelenkverschleiß
22 Bei chronischen Kopfschmerzen helfen Schmerzmittel
23 Quecksilberhaltige Amalgam-Füllungen sollte man entfernen
24 Bei Rückenschmerzen hilft Bettruhe
25 Weisheitszähne muss man ziehen
Quelle
Bewusst sein!
29 October 2014 at 09:34
Petra Bezen
Ich kann mich noch genau erinnern:
Als ich anfing, diese Scheiß-Konsum-Sklaven-Manipulations-Matrix zu hinterblicken, gings mir anfangs wirklich schlecht.
Zu sehen, hinter welchem Vorhang ich all die Jahre gelebt hab, und in welcher Welt wir wirklich leben, tat weh und ich fühlte mich klein und hilflos.
Soviele Dinge, die gesteuert sind, von so wenigen Menschen, die die Fäden in der Hand halten und alles tun, damit sie ihnen nicht genommen werden.
Wasser, das uns nicht mehr frei zugänglich sein soll, sondern Konzernen in die Hand gegeben wird
Sonnenlicht, das uns nicht mehr gehört und wofür Steuern gefordert werden
Energie, die wir nicht selbst gewinnen dürfen um uns zu versorgen
Luft, die vergiftet wird über unseren Köpfen und die uns und die Natur schädigt
Pharmaindustrie, die uns immer kränker macht, damit wir immer mehr Medikamente brauchen
Nahrungsmittelkonzerne, die uns vergiften statt uns zu ernähren
Kriege, die vorbereitet und angezettelt werden, damit einige wenige endlich die ganze Welt beherrschen dürfen
Politiker, die uns nicht vertreten, sondern in den Hintern treten, und wir nur noch wählen dürfen, um uns denjenigen auszusuchen, der am festesten
zutreten darf
Banken, die uns verschulden und versklaven, damit wir vor lauter Raten nicht mehr ein noch aus wissen
Steuern, die uns daran knebeln, dass wir immer arbeiten müssen, um sie zu begleichen
Und so viele empörende und unfassbare Dinge mehr, die auf dieser Welt geschehn.
Man könnte daran zerbrechen, anfangs dachte ich auch, das würde ich, aber ich sehe heute, all das zu erkennen, diesen Dingen ins Gesicht zu blicken, statt sie auszublenden, hat mich stark gemacht, und auch, wenn ich sie nicht allein ändern kann, es hat mir die Möglichkeit gegeben, zu beginnen, mich aus dem System Stück für Stück rauszuziehen, nicht mehr mitzumachen, mein Leben so zu ändern, nach und nach, dass es für mich passt und ich sagen kann, ich spiele nicht mehr mit in dieser Maschinerie, nicht solange es in meiner Macht steht. Da wo ich kämpfen kann, kämpfe ich, da wo ich mich rausziehen kann, ziehe ich mich raus, da wo ich aufklären kann, kläre ich auf und da, wo ich mich mit Gleichdenkenden zusammenschließen kann, um noch mehr zu erreichen, da tue ich das. Und nur, weil ich nicht gleich alles auf einmal ändern kann, wiegen die Dinge, die ich schon tue, nicht weniger!
Anfangs hab ich mich schuldig gefühlt, diese Dinge durch meinen Konsum und meine Steuergelder zu finanzieren. Aber diese Schuldgefühle, die bringen mich nicht weiter. Ich schaue, dass ich so wenig konsumiere wie möglich und achte darauf, was und wo ich kaufe. Nur weil ich gerade noch nicht alles ändern kann, bin ich dennoch nicht schuld.
Ich sehe diese Dinge, aber ich verursache sie nicht
Die Kriege, die geführt werden, ich führe sie nicht
Der Hass, der geschürt werden soll, ich lasse ihn nicht an mich heran
Die Menschen, die getötet werden, ich töte sie nicht
Tiere, die gequält werden, ich esse sie nicht
Ich bin nicht mehr blind, und ich bin nicht schuld.
Und auch wenn ich vieles noch nicht blick, manches vielleicht nie versteh und einiges mich noch nicht trau, weiss ich aber, dass es an diesen Stellen auch bereits Menschen gibt, die es verstehen, die es blicken, und die sich schon traun, und ich bin ebenfalls auf diesem Weg und ich werde ihn - wie sie - nicht mehr verlassen. Wir müssen nicht alle das Gleiche tun, aber wenn jeder von uns das tut, was er kann und zu dem er in der Lage ist, dann ist das schon eine Menge.
Es gibt Menschen, immer mehr Menschen, die sich für all das einsetzen, was geändert werden muss, und die dafür kämpfen, dass alles ans Tageslicht kommt und die mit Leidenschaft, Mut und Optimismus daran arbeiten, dass alles anders werden kann, es gibt sie und ich habe einige kennengelernt, und auch, wenn ich ein kleiner Fisch sein mag, ich gehöre dazu und ich bleibe dabei!
Ich habe, seitdem ich dabei bin, mein Leben zu ändern, bereits soviele wunderbare Menschen kennengelernt und einige davon haben sich tief in mein Herz gebrannt, sie werden dort immer bleiben und ich bin froh und stolz, sie zu kennen.
Ich danke euch, dass ihr da seid, und jeden, der sich jetzt auch nur im entferntesten angesprochen fühlt, den meine ich auch! Ich weiss, ich bin nicht allein, und wir werden immer mehr.
Ich weiss nicht, ob wir etwas erreichen werden, ob wir eine Chance haben, einen Wandel herbeizuführen, die Kriege zu verhindern oder zu überstehen, die gerade angezettelt werden, aber wir versuchen es, gemeinsam und wir geben nicht auf, der Weg ist das Ziel, und wir gehen ihn! Wir fühlen uns verantwortlich und wir schauen nicht mehr weg und wir kommen uns näher und rücken zusammen. Wir müssen lernen, wieder zusammen zu halten und Gemeinschaft zu leben, uns gegenseitig unterstützen und daran arbeite ich!
Ich möchte nicht wirklich sagen, dass ich aufgewacht bin, aber ich bin heute BEWUSST. Die Dinge, die ich heute tu, die tu ich bewusst, und nicht mehr, weil ich sie muss. Und andere Dinge, bei denen es mir schwerfällt, dieses Müssen zu beenden, werden nach und nach folgen.
All das, was ich seit dieser ganzen Zeit erfahren und getan habe, hat mich gestärkt und ich weigere mich, den Mut zu verlieren und aufzugeben.
Und ich wünsche mir, dass wir noch viel mehr Menschen werden, die bewusst werden, bewusst hinsehen, bewusst denken und bewusst handeln und sich gegenseitig unterstützen!
Quelle
Saturday, 25 October 2014
Tödliche Langeweile
Tödliche Langeweile
Jeder hat schon einmal erlebt, dass die Tage sich gleichen und die Stunden nicht vergehen wollen, entweder weil er nicht genug zu tun hat oder kein Interesse an dem verspürt, was er eigentlich erledigen sollte. Langeweile kann qualvoll sein und man sollte sie nicht verwechseln mit der selbst gewählten, erholsamen Untätigkeit - der Muße.
Millionen Schüler, Studenten und Arbeitnehmer in Deutschland fühlen sich unterfordert, nicht gesehen, nicht wertgeschätzt und leiden unter "Boreout", was so viel bedeutet wie krankhafte Langeweile. Bei monotonen Aufgaben wird das Belohnungszentrum des Gehirns wenig aktiviert, was zu einem Dopaminmangel führen kann. Die Betroffenen sind niedergeschlagen, antriebslos und trotz permanenten Nichtstuns im Dauerstress, denn sie müssen ihre Untätigkeit im schlimmsten Fall vertuschen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, ihren Job zu verlieren.
Die Wissenschaftsdoku liefert Einblicke in die Ursachen von Langeweile und ihre negativen Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden, aber auch in die Chancen, die aus Langeweile erwachsen. Und: Stefan Witte wagt einen Selbstversuch. Er setzt sich extremer Langeweile aus, lässt sich dabei via Kamera beobachten und gibt über sein Befinden Auskunft.
Ohne Arbeitsauftrag im Büro
Anja Gerloff und Stefan Witte wollen mithilfe eines wissenschaftlichen Experimentes testen, welche konkreten Auswirkungen Langeweile auf einen Menschen hat. Die Motivationsforscherin Michaela Brohm soll sie dabei unterstützen.
Stefan Witte stellt sich als Proband für das Experiment zur Verfügung. Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, darf er genaue Details der Versuchsanordnung nicht erfahren. In Hamburg findet der Selbstversuch statt. Inmitten des Nachrichtenalltags eines Medienkonzerns wird Stefan fünf Tage in einem Einzelbüro verbringen. Der Versuch wird von einer Psychologin begleitet. Vor Beginn macht Stefan einen Persönlichkeitstest. Es ist wichtig auszuschließen, dass Stefan gerade depressiv oder labil ist. Der Versuch soll schlicht Langeweile erzeugen.
Anja Gerloff, Psychologin:
"Grundsätzlich lässt sich durch das Persönlichkeitsprofil zeigen, dass er eine stabile Persönlichkeit hat. In zwei Bereichen zeigen sich Tendenzen nach oben, das heißt eine stärkere Ausprägung im Bereich sich emotional zu distanzieren und eher durchs Tun und Machen mit der Welt in Kontakt zu treten, also einen hohen Wunsch, wie es bei einer Führungspersönlichkeit typisch wäre, die Dinge selbst in der Hand zu haben."
Die Versuchsanordnung entspricht dem Büroalltag vieler Menschen. Bis auf die installierten Kameras. Neben einem Computer mit Internetanschluss bekommt Stefan ein Telefon, eine Zeitschrift und Schreibutensilien. Stefan hat während der fünf Versuchs-Tage keinen Arbeitsauftrag. Er muss sich selbst beschäftigen. Vom Nebenraum aus wird der Selbstversuch überwacht. Erster Tag des Versuchs: Stefan richtet sich im Büro ein. Die Situation ist ungewohnt.
Highlight des Tages - das Mittagessen
Stefan Witte:
"Ja, Stefan allein im Büro ohne Kollegen, ohne Kommunikation, ohne Geräuschkulisse. Ich muss gestehen, es gefällt mir im Moment ganz gut. Es fühlt sich ein bisschen an wie Urlaub im Büro und ich kann mir im Moment auch eigentlich nicht so richtig vorstellen, dass mich in den nächsten fünf Tagen der Blues überkommen kann."
Er weiß noch nicht, dass er PC und Internet heute zum letzten Mal nutzen darf. Ebenso die Kantine. Das gemeinsame Mittagessen mit Kollegen ist für viele Menschen, die im Berufsalltag unter Langeweile leiden, das Highlight des Tages. Während der Vormittag noch recht produktiv für Stefan war, plätschert der Nachmittag so dahin.
Stefan Witte:
"Was habe ich gemacht. Ich habe mehr oder weniger sinnfrei im Internet gesurft, anfangs habe ich Artikel gelesen, recherchiert, versucht mir neue Anregungen zu holen, bin allerdings ganz schnell in einen Ablenkungsmodus gekommen, in dem ich einfach irgendwelche Shoppinghomepages aufgerufen habe und so ein bisschen davon geträumt habe, was ich mir eigentlich alles kaufen könnte."
Der erste Tag des Selbstversuchs ist abgeschlossen. Ohne Aufgabe hat Stefan die acht Stunden scheinbar mühelos überstanden.
Stefan Witte:
"Ich habe mich eigentlich sehr wohl gefühlt, hab allerdings auch so zwei, dreimal kurze Momente gehabt, wo ich so ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich sozusagen mich mit privaten Dingen beschäftigt habe während einer gefühlten Arbeitszeit."
Die Mischung der Reize macht es
In der Schule ist Langeweile weit verbreitet. Je größer die Schulklasse, desto mehr langweilen sich die Schüler, so die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine kürzlich veröffentliche Videoanalyse der Goethe-Universität in Frankfurt am Main liefert weitere Fakten.
In einer aufwendigen Studie untersuchte Kristina Kögler vier bayerische Berufsschulklassen in den Fächern Rechnungswesen und Betriebswirtschaft. Über einen Zeitraum von sechsundfünfzig Unterrichtseinheiten wurden die Schüler mit zwei festinstallierten und einer Handkamera im Klassenzimmer gefilmt.
Kristina Kögler, Goethe-Universität, Frankfurt:
"In mehr als 30 Prozent der Unterrichtszeit langweilen sich die Lernenden in der betrachteten Stichprobe überdurchschnittlich."
Was in der Schule beginnt, setzt sich für manche im Arbeitsalltag fort: Jeder zehnte deutsche Arbeitnehmer ist vom sogenannten Boreout betroffen. Die Betroffenen sprechen kaum über ihr Leid. Häufig täuschen sie aus Unsicherheit intensive Beschäftigung vor.
In Hamburg beginnt Stefan seinen zweiten Tag im Selbstversuch. Auch heute hat er keinen Arbeitsauftrag. Privates Surfen im Internet ist ihm ab sofort verboten. In einer normalen Arbeitssituation wäre es ohnehin ein Kündigungsgrund.
Stefan Witte:
"Ich bin ein bisschen müde und habe heute Morgen extreme Schwierigkeiten gehabt aus dem Bett zu kommen, vielleicht hat das damit zu tun, dass ich schon gewusst habe, dass hier keine Aufgaben auf mich warten. Die Motivation ins Büro zu fahren, war jetzt nicht besonders stark, um ehrlich zu sein."
Isolationshaft ist eine Folter
Je weniger äußere Reize ein Mensch erfährt, desto schneller stellt sich Langeweile ein. Stefans Computer wird abgebaut, seine für heute geplante Selbstbeschäftigung ist damit hinfällig. Zur Ablenkung bleibt Stefan jetzt nicht mehr viel. Und so richtig konzentrieren kann er sich auf die Lektüre der Zeitschrift offenbar auch nicht.
Für Stefan bricht die zweite Hälfte des heutigen Versuchstages an. Die Stunden vergehen wie in Zeitlupe. Im Nebenraum wird sein Verhalten permanent überwacht. Ab heute bekommt Stefan sein Mittagessen ins Arbeitszimmer gebracht. Er darf den Raum nur noch für Toilettenbesuche verlassen und soll keinerlei Kontakt zu Kollegen unterhalten. Und Lesen ist jetzt auch nicht mehr erlaubt.
Stefan Witte:
"Ich muss ehrlich sagen, ich war doch ziemlich frustriert, ich hatte zwar damit gerechnet, dass man mir nach und nach meine Ablenkungsmöglichkeiten wegnimmt, aber dass das alles so schnell passiert und dass das vor allem an einem Tag passiert, damit habe ich jetzt doch nicht gerechnet."
Erste Anzeichen von Müdigkeit stellen sich bei Stefan ein.
Gerd-Günter Voß, Soziologe:
"Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen unbedingt Kontakt zu anderen Menschen. Wir brauchen die Anregung, die Ansprache. Wir sind aber auch in dem Sinne Wesen, die sehr aktiv sind und sein müssen. Wir brauchen entsprechende Reize, die uns zur Aktivität auffordern. Und in einer absolut reizarmen Situation besteht die Gefahr, dass wir krank werden. Isolationshaft - also Reizentzug - ist eine Folter, wie man weiß. Aber es ist nicht so, dass wir permanent in der Reizüberflutung leben wollen und können, das macht uns auch krank, sondern die Mischung macht es, die Abwechslung."
Der Flow - ideales Verhältnis von Fähigkeiten und Anforderungen
Gerd-Günter Voß ist Soziologe und spezialisiert auf die Unternehmenskultur in Organisationen. Er lehrt an der Technischen Universität in Chemnitz und beobachtet neben den Burnout-Erkrankungen auch die Boreout-Symptome.
Wer Überlastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt ist, hat ein doppelt so hohes Risiko eine Herzkreislauferkrankung zu bekommen. Aber auch die Unterforderung macht Betroffenen schwer zu schaffen.
Stefans dritter Tag im Selbstversuch:
Stefan Witte:
"Ich bin eigentlich mit relativ guter Laune jetzt in den Tag gestartet, auf jeden Fall mit besserer Laune als ich gestern hatte am Ende des Versuchstages, da war ich ja doch so ein bisschen deprimiert im Grunde genommen und geschockt durch die Wegnahme der Außenreize. Sprich, man hat mir ja meinen Computer weggenommen, man hat mir meine Lektüre weggenommen. Das hat mich dann doch schon so ein bisschen aus dem Takt gebracht. Und ich habe so das Gefühl, jetzt habe ich eigentlich meinen Takt wieder gefunden und gehe eigentlich so ganz entspannt in den Tag."
Stefan sucht sich heute selbst eine Beschäftigung und entwickelt kreative Kräfte. Der Abbau des Telefons sorgt nur für kurze Irritation.
Stefan Witte:
"Mittlerweile hat man mir hier das Telefon abgebaut und ehrlich gesagt kratzt mich das nun überhaupt nicht, das hätte mich vielleicht mehr getroffen am gestrigen Tage, als ich mich noch so ein bisschen lethargisch gefühlt habe, aber jetzt in diesem Gefühl, selbst produktiv und kreativ zu sein, ohne, dass mir jemand eine Aufgabe stellt, ist mir das eigentlich vollkommen wurscht."
Stefan durchlebt gerade eine Extremsituation - Basejumper an der Eiger-Nordwand ebenso, aber eine völlig andere. Sie sind auf der Suche nach dem ultimativen Abenteuer. Je größer die Herausforderung, desto stärker spürt man sich, sagen sie. Der freie Fall sorgt für einen kurzen, aber heftigen Adrenalin-Kick. Wirklich gesund ist hingegen nur der Zustand zwischen der Eintönigkeit und extrem stressigen Situationen: der Flow.
Symptome wie bei einer Erkältung
Michaela Brohm, Motivationsforscherin:
"Flow ist der ideale Leistungs- und Motivationskick sozusagen. Immer dann, wenn die Fähigkeiten in optimaler Passung sind zu den Herausforderungen, dann erleben wir so einen Zustand der Selbstvergessenheit. Wo man an irgendwas arbeitet, schreibt, Cello spielt oder was auch immer, wo man irgendwas tut ohne ein zeitliches Empfinden zu haben und ohne einfach das Gefühl zu haben, ich muss irgendwas machen, sondern wo man einfach in diesem Zustand selbstvergessen agiert und sich auch erst nach dem Zustand das Glücksgefühl einstellt und man sagt: Boah war das toll, das hat Spaß gemacht, das war super."
Am Nachmittag des 3. Tages stellt sich bei Stefan kein Glücksgefühl ein. Er nimmt sich Auszeiten und schläft. In einer realen Arbeitssituation kaum denkbar.
Stefan Witte:
"Ich bin frustriert, müde, habe eigentlich dann heute Nachmittag auch nicht mehr viel gemacht als ein wenig zu schlafen. Ich habe ein bisschen Bürogymnastik getrieben, wenn man so will um nicht der totalen Lethargie anheim zu fallen. Das war‘s dann aber auch schon und ich befürchte ganz stark, dass ich in irgendeiner Weise versuchen muss diese beiden Tage komplett ohne Antrieb herumzukriegen und mir ist völlig schleierhaft wie ich das schaffen soll, ohne eine totale Frustration zu verspüren."
Am Ende des dritten Versuchstags ist Stefans Stimmung hin- und hergerissen.
Stefan Witte:
"Ich hatte fast so ein bisschen Symptome wie bei so einer Erkältung oder so, einen schweren Kopf, Müdigkeit."
Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung, diese Symptome treten regelmäßig bei Menschen auf, denen die Arbeit oder Anerkennung entzogen wird: Arbeitslose, Kranke oder ausgebremste Angestellte. Menschen, die selbstbestimmt arbeiten, kennen dies kaum.
Burnout und Boreout - beides sind Fehlbelastungen
Der vierte Tag des Selbstversuchs beginnt. Nachdenklich ist Stefan auf dem Weg in sein Einzelbüro. Noch zwei weitere Tage ohne Arbeit liegen vor ihm. Wenigstens weiß er, wann die Trostlosigkeit ein Ende haben wird.
Stefan Witte:
"Meine Stimmung ist eher schlecht, ich habe extrem wenig Lust jetzt acht Stunden in diesem Raum zu verbringen und nichts zu tun zu haben. Mir ist es auch heute Morgen sehr, sehr schwer gefallen aus dem Bett zu kommen und diesen Weg hierher anzutreten. Ich habe ganz kurz überlegt, ob ich das Ganze abbrechen soll."
Stefans letzte Kräfte werden geweckt. Er fängt an zu basteln. Englische Wissenschaftler fanden heraus, dass ein vorübergehender Leerlauf oder kurze monotone Tätigkeiten Regionen im Gehirn aktivieren, die bei geistiger Anstrengung ausgeschaltet sind. Danach ist man kreativer.
Seit Beginn seines Selbstversuches vor vier Tagen fehlt auch Stefan Anerkennung und Wertschätzung im Beruf. Da er keine Aufgabe hat, kann er auch kein Lob ernten. Bei den meisten ist Resignation die Folge. Stefan hingegen weiß, der Selbstversuch neigt sich seinem Ende zu. Am frühen Nachmittag wird ihm auch noch seine letzte Ablenkungsmöglichkeit genommen.
Stefan Witte:
"Ich fühle mich ziemlich alle, ziemlich platt und leer vom Nichtstun, vom Rausstarren, vom lethargisch herumsitzen. Hätte ich nicht gedacht, hätte ich nicht vermutet, dass das so anstrengend sein kann. Ich verspüre leichte Kopfschmerzen und bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich morgen eigentlich wieder ins Büro kommen soll. Ja, ich bin kurz davor diesen Selbstversuch abzubrechen, ganz ehrlich. Ich weiß überhaupt nicht, was ich morgen hier soll."
Der fünfte Tag des Selbstversuchs beginnt: Der Gang ins Büro fällt Stefan offensichtlich schwer. Zweiunddreißig Stunden hat er es jetzt schon in dem Einzelbüro ausgehalten - ohne sinnvolle Beschäftigung. Stefan aktiviert seine letzten Ressourcen - und misst den Raum aus. Mehr bleibt ihm zum Zeitvertrieb nicht.
Alleine mit sich und seinen Gedanken
Michaela Brohm, Motivationsforscherin:
"Boreout und Burnout, beides sind Fehlbelastungen, beides sind Fehlbelastungen die in der einen Richtung zu Überforderung und in der anderen zu Unterforderung führen. Und diese Fehlbelastungen führen eben zu sehr ähnlichen Symptomen und das ist das Interessante. Ob man gestresst ist oder ob man sich sehr stark langweilt, man kann die gleichen Symptome zeigen: Lustlosigkeit, Frustration, Müdigkeit und letztendlich dann in einer starken Steigerung Depression auch."
Ohne Aufgabe und ohne Arbeitsmaterialien ist Stefan jetzt ganz allein mit sich und seinen Gedanken. Dass alle seine Reaktionen auf Video aufgezeichnet werden, hat er nach fünf Tagen fast vergessen. Eine willkommene Abwechslung bietet ihm das mittägliche Essen. Wie Stefan ergeht es tausenden Patienten in Krankenhäusern und Bewohnern von Altenheimen. Die Mahlzeiten sind kurze Unterbrechungen der Monotonie.
Stefan Witte:
"Das Highlight es Tages habe ich jetzt hinter mir und das war das Mittagessen."
Die Minuten am letzten Versuchstag ziehen sich wie klebriger Honig. Stefan schläft. Stefan grübelt.
Stefan Witte:
"Ich habe fast die Hälfte des letzten Tages geschafft und jetzt ist meine Stimmung komplett auf dem Nullpunkt. Ich habe das Gefühl, ich habe keine Reserven mehr, um noch länger dieses Experiment, diesen Selbstversuch weiter durchzuführen. Es reicht mir einfach und ich will hier nur noch raus."
Stefan bricht den Versuch ab. Am Mittag des fünften Tages ist seine Geduld am Ende. Tapfer hat er bis hierher durchgehalten. Für viele, die in ähnlichen Arbeitssituationen wie Stefan verharren müssen, ist aufgeben keine Option.
Quelle
Friday, 24 October 2014
Dicke leben länger
« Was wir auf der Welt sehen ist keine Übergewichtsepidemie, sondern eine Stressepidemie. Stress tritt immer auf, wenn Menschen in Unsicherheit leben. Ein typisches Beispiel wäre ein unsicherer Arbeitsplatz; das kennen viele, oder unglückliche Partnerschaften, komplizierte Familienverhältnisse oder Einsamkeit - das ist eines der größten Stressfaktoren für den Menschen. Das häufigste ist sicher die Armut, das Leben in ökonomisch instabilen Verhältnissen. »
Prof. Dr. Achim Peters, Hirnforscher
Wednesday, 22 October 2014
Sascha Liebermann
Freiheit für alle? Ein Interview zum Bedingungslosen Grundeinkommen
21 October 2014
Jeden Monat einen bestimmten Geldbetrag auf dem Konto zu haben, von dem es sich leben lässt, ohne dafür zu arbeiten. Klingt absurd? Für die Befürworter vom Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) ist diese Idee ein Stück Freiheit. Ich habe mit Sascha Liebermann telefonisch darüber gesprochen. Er ist derzeit Professor für Soziologie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft und leitet die Forschungsstelle „Bildung und gesellschaftlicher Wandel“. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich mit der Thematik des Bedingungslosen Grundeinkommens. Nicht nur als Forscher befasst er sich damit; als engagierter Bürger trat er 2003 mit der Initiative „Freiheit statt Vollbeschäftigung“, die er gemeinsam mit Kollegen, gegründet hatte, an die Öffentlichkeit.
Vorab einige Eckdaten: Wann haben Sie angefangen, sich mit der Thematik zu beschäftigen?
Das nähere Interesse ist entstanden durch Forschungen zum Wandel der Erwerbsarbeit und Kulturen von Leistungsethik, mit denen wir in den ersten Jahren meiner Zeit an der Universität Dortmund befasst waren, das war um die Jahrtausendwende, - also rein akademisch. Ich war allerdings schon während meiner Doktorarbeit, die sich gar nicht mit dem Thema Grundeinkommen befasste, darauf gestoßen – durch meinen Doktorvater Ulrich Oevermann wurde ich darauf aufmerksam. Erst die öffentliche Diskussion um die Verschärfung der Sozialpolitik in Hessen unter Ministerpräsident Roland Koch, Stichwort „Präventionshelfer“ 1998, und dann die Agenda 2010 Anfang des neuen Jahrtausends gaben den Anstoß, mich zu fragen, ob wir unsere Überlegungen nicht auch in die Öffentlichkeit tragen sollten – als praktischen Vorschlag.
Wie kam es dann zur Initiative „Freiheit statt Vollbeschäftigung“?
Das folgte letztlich aus dem Bestreben, sich angesichts des unsäglichen Tons und aberwitziger Vorschläge wie den damals diskutierten „Gesetzen für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“, vulgo „Hartz-Gesetze“, einzumischen und zumindest eine Alternative aufzuzeigen. Nach einem gewissen Hin und Her, wie das geschehen könnte, legten wir eine Website an. Zuvor allerdings stand noch im Raum, wie wir denn ganz konkret in den öffentlichen Raum treten könnten, eine Website zur damaligen Zeit, war etwas wenig.
Wir entwarfen neun Thesen zur damals in unseren Augen drängenden Lage und schlugen das bedingungslose Grundeinkommen als Ausweg vor. Die ließen wir, , auf Plakate drucken, unter den Thesen standen unsere Namen samt Kontaktadresse, also E-Mail und Website. Das war in der Vorweihnachtszeit 2003. Ich lebte damals noch in Frankfurt am Main, wir entschieden uns – so erinnere ich das zumindest – für diese Stadt, weil sie uns offen und international erschien. Dort mieteten wir diese Klebeflächen in den U-Bahnhöfen für zehn Tage.
Nachdem die Plakate etwa eine Woche hingen, bekamen wir die ersten Mails. Von „Das ist Kommunismus!“ bis hin zu „Das ist neoliberal!“ war alles dabei. Die Plakate hingen länger als angemietet, ganze vier Wochen, das hatte wohl mit einem Auftragsmangel zu tun. Wenn die Mietzeit für die Plakatflächen abgelaufen ist und keine anderen Plakate drübergeklebt werden können, bleiben die alten einfach hängen.Nach etwa vier Wochen gab es die ersten Medienkontakte zu einer Tageszeitung und einem Fernsehjournalisten.
Hatten Sie keine Angst, in eine politische Ecke gedrängt zu werden?
Angst nicht, mit solchen Anfragen sind wir entsprechend umgegangen.
Das heißt?
Wir waren bereit, mit jedem zu diskutieren und zu sprechen, wollten aber unabhängig bleiben, damit wir gerade nicht in eine Ecke gestellt werden können. Das machten wir dann auch bei entsprechenden Anfragen oder bei Vorträgen deutlich, denn wir wurden immer wieder danach gefragt.
Die Initiative nennt sich „Freiheit statt Vollbeschäftigung“ – sind wir denn mit Vollbeschäftigung nicht frei oder wie ist der Zusammenhang?
Der Slogan ist eine Reaktion auf die Diskussion damals. Alles und jedes, so hatten wir den Eindruck, wurde mit Vollbeschäftigung begründet und dem Schaffen oder Erhalten von Arbeitsplätzen. Das war ja schon seit den achtziger Jahren der Fall, hatte sich zur Jahrtausendwende jedoch schon als ewiges Versprechen erwiesen, das nicht erreicht wurde. Vollbeschäftigung ist aber gar kein genuin politisches Ziel, weil für Vollbeschäftigung nicht die Bürger im Zentrum stehen, es geht nur um Erwerbstätige. Sie ist ja auch bloß eine Modellvorstellung aus der Volkswirtschaftslehre und besagt etwas über das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am sogenannten Arbeitsmarkt.
Für eine Demokratie jedoch ist nicht der Erwerbstätige das Fundament, es ist der Bürger und daran, was politische Entscheidungen für ihn und seine Stellung bedeuten, müssen sie sich messen lassen. Sie können sich das ganz leicht deutlich machen: Mitarbeiter in Arbeitsverhältnissen, also Erwerbstätige, sind immer und notwendig austauschbar, sie dienen einer Funktion. Bürger hingegen sind gerade nicht austauschbar, die Bürgerrechte werden bedingungslos verliehen. Darüber hinaus geht es bei Vollbeschäftigung immer nur um Erwerbsarbeit, nicht aber um andere wesentliche Leistungen, von denen ein Gemeinwesen lebt: bürgerschaftliches Engagement und Familie. Diese Leistungen werden degradiert in unserer Überbewertung von Erwerbstätigkeit. Wir wollten das zuspitzen und die Stellung des Bürgers stärken. Da war es für uns konsequent zu sagen, eine solche Stärkung ist erst dann gegeben, wenn eine basale Einkommenssicherung nicht mehr in Relation zu Erwerbstätigkeit erfolgt.
Aber ist Erwerbstätigkeit nicht Teilhabe an der Gesellschaft? Carsten Schneider, mittlerweile stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion, schrieb 2007 in einem Gastkommentar bei Spiegel Online, dass die Vielschichtigkeit von Armut ausgeblendet werde. Nicht Geldknappheit sei das Problem, sondern fehlende Chancen aktiver Teilhabe.
Schneider sprach sogar davon, dass das Grundeinkommen „gefährlich“ sei. Der Artikel ist auch heute noch lesenswert, da er eine klare Sprache spricht: die des Misstrauens. „Teilhabe“ klingt ja erst einmal nicht schlecht, doch er spricht auch davon, dass ein sozialer Staat „ermutigt, aktiviert und befähigt“. Das ist genau, was wir in den letzten zehn Jahren erfahren haben.
Nicht wird zuerst einmal den Bürgern vertraut, dass sie schon selbst wissen, was für sie gut ist und wenn nicht, sich Rat holen können. Nein, sie werden unter Druck gesetzt, sanktioniert, ihnen werden erhebliche Pflichten auferlegt – lesen Sie einmal eine Broschüre der Arbeitsagentur zu Rechten und Pflichten von Leistungsbeziehern. Dafür kann man schöne Worte wählen, wie Schneider, oder klare, die aussprechen, was diese Praxis tatsächlich auszeichnet. Wer meint, Bürger müssten aktiviert werden, dreht die Problemlage um. Es ist doch gerade der Druck der Behörden, die stigmatisierenden Effekte eines Sozialstaats, der die Menschen in die Ecke drängt. Das BGE würde ja gerade ermöglichen, frei von Druck und Sanktionsdrohungen, frei von dem vermeintlichen höchsten Ziel, der Erwerbstätigkeit, zu entscheiden, was jemand mit seinem Leben anfangen will.
Dazu muss er sich immer auch die Frage stellen, was er zum Gemeinwohl beitragen kann, dem können wir in unserer Demokratie uns nicht entziehen. Was aber wir zu tun für richtig erachten, muss uns überlassen bleiben, solange sich die Entscheidungen nicht gegen das Gemeinwesen als solches richten.
Sie glauben also, dass es genug Menschen geben würde im Falle eines BGE, die trotzdem noch zur Arbeit gehen und die Wirtschaft am Laufen halten?
Es muss ja nicht jeder alles machen, sich also in jeder möglichen Form engagieren. Ich würde auch nicht sagen, dass dies eine Glaubensfrage ist. Schauen Sie sich unsere politische Ordnung an, sie ist ein hard fact. Diese Ordnung baut auf den mündigen Bürger, er ist die Geltungsquelle politischer Entscheidungen. Wir verlassen uns de facto schon darauf, dass sich die Bürger einbringen, weil wir gar nicht anders können in einer Demokratie, das macht sie gerade aus. Wem das nicht behagt, so klingen die Ausführungen von Schneider, der müsste sich letztlich vor dieser freiheitlichen Ordnung fürchten.
Einwände gegen das BGE werden ja nicht selten mit Studien begründet. Diese wiederum beruhen in der Regel auf Simulationsmodellen. Es wird also auf der Basis von Annahmen ein Handeln in der Zukunft modelliert – das hat mit wirklichem Handeln natürlich überhaupt nichts zu tun.
Zu diesen Annahmen, die da verwendet werden, gehört, dass der Mensch sein Handeln an Anreizen ausrichtet. Erhält er ein BGE und muss er dafür nicht erwerbstätig sein, wird er sein Engagement reduzieren – so argumentiert auch Schneider. Die entscheidende Frage wäre, und da habe ich ganz andere Befunde aus der fallrekonstruktiven Forschung, was ist nun entscheidend, warum machen Menschen, was sie machen? Da stoßen solche methodisch orientierten Studien auf das, was gemeinhin als intrinsische Motivierung bezeichnet wird. Letztlich ist das eine Haltung zur Welt, die sich im Zuge der Sozialisation herausbildet. Sie ist wie ein innerer Kompass, der eigene Entscheidungen ausrichtet.
Natürlich spielt es dabei eine Rolle, ob ein Handeln auch Anerkennung findet, also in einem Gemeinwesen wertgeschätzt wird, doch es ist davon nicht abhängig. Wie sehr dabei die Viefältigkeit der Lebensentwürfe unterschätzt wird, kann man bei jedem Vortrag zum Grundeinkommen erleben.
Irgendwann kommt die Frage auf die „Toilettenfrau“, wer denn solch dreckige, unangenehme Arbeit noch machen würde, wenn es ein BGE gäbe. Die Frage stellen dann immer Menschen, die das als niedrige Arbeit sehen und darauf hinabschauen. Wichtig ist aber: Für wen sind solche Tätigkeiten unattraktiv? Sprechen Sie doch mal mit dem Müllmann, dem Busfahrer! Auch da gibt es ein Berufsethos, das gut zu machen, was man macht. Wie bei ihnen, so ist es in der Regel auch bei Reinigungskräften. Das sind ja außerordentlich wichtige Dienstleistungen – solange sie nicht automatisiert werden können. Dann nämlich verlieren sie an Bedeutung.
Und fragen Sie die doch mal, was eine Reinigungskraft von meiner Arbeit als Wissenschaftler hält. Immerzu lesen, schreiben, analysieren – oft ganz einsam. Da sagen etliche, das sei doch keine Arbeit am, da, so am Schreibtisch. Da herrschen auf beiden Seiten Vorurteile und diese hängen teils von kollektiven Wertschätzungen ab, teils von den eigenen Ambitionen und Neigungen.
Es ist nirgendwo empirisch bewiesen, dass der Mensch eine Tendenz hat, nichts tun zu wollen. Mit „Nichtstun“ wird ja meist verbunden, dass eine bestimmte normative Erwartung nicht erfüllt wird, das ist in der Diskussion um Missbrauch von Sozialleistungen stets zu erkennen.
Nicht überall herrscht ein Berufsethos. Es gibt durchaus Menschen, die ihre Arbeit nicht mögen. Was würde sich in der Wirtschaft durch das BGE ändern?
Die Auswirkungen hängen davon ab, was der Einzelne daraus macht. Für denjenigen, der seinen Beruf nicht mag, heißt das dann vielleicht, dass er den nicht mehr macht. Interessant ist dann aber, was er stattdessen macht. Es ist allerdings oft nicht der Beruf, es sind die Bedingungen, unter denen er ausgeübt wird, die zermürbend sein können.
Ein BGE würde in dreierlei Hinsicht mindestens Wirkungen entfalten: Erstens geht es um die Person um ihrer selbst Willen, um den Bürger als Bürger. Da stärkt das BGE den Solidarverband Gemeinwesen, weil er die Bürger um ihrer selbst willen anerkennt und Einkommen bereitstellt. Zweitens sorgt es für eine Gleichordnung von Tätigkeiten. Momentan ist Erwerbstätigkeit das Einzige, das zählt. Familie, Ehrenamt, das ist zur Privatsache degradiert. Das zeigt ja gerade der Ausbau der frühen Fremdbetreuung. Ein BGE würde hier also Freiräume schaffen und Wertschätzung dafür zum Ausdruck bringen, dass es darauf ankommt, was der Einzelne für wichtig und richtig erachtet. So könnte jemand mehr Zeit mit der Familie verbringen, sich vielleicht ausschließlich ihr widmen, solange er den Eindruck hat, es ist das richtige, für den Partner, für die Kinder. Jemand könnte sein Ehrenamt zum Hauptamt machen. Drittens, und das ist ebenfalls weitreichend und zu wenig beachtet: Wenn man freier entscheiden kann, wo man wirken, wo man sich einbringen will, dann ist die Chance größer ist, dass etwas Gutes dabei rauskommt. Denn, nur, wo etwas mit einer gewissen Hingabe gemacht wird, kann das gelingen. Wenn sie etwas nicht machen wollen, dann ist es doch fatal, daran festzuhalten.
Sie legen den Überlegungen ein sehr positives Menschenbild zu Grunde. Wie passt das zusammen mit dem momentanen System, das auf Anreizmechanismen basiert, bei dem auch Macht – etwa in der Politik - eine große Rolle spielt?
Ja, ist es denn wirklich so, dass Anreizmechanismen den „Laden“ am Laufen halten? Oder Macht, ist sie denn einseitig möglich? Betrachten wir doch mal, wie gut es eigentlich in Deutschland läuft, ich meine das jetzt nicht inhaltlich, da gibt es genug zu kritisieren in meinen Augen, wir hatten ja schon die Sozialpolitik genannt, ich meine das politisch: Wir haben eine demokratische Ordnung, funktionierende demokratische Verfahren, Gewaltenteilung, das hat sich doch erstaunlich entwickelt, wenn man betrachtet, wie wenig Erfahrung wir damit hatten, bevor es auf Drängen der Alliierten eingeführt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg. Das finde ich zuerst einmal bemerkenswert, es ist aber zugleich ein Fingerzeig, weshalb es Traditionen gibt, die diesen demokratischen Grundfesten geradezu entgegenlaufen. In Deutschland ist doch noch immer der vorauseilende Gehorsam enorm ausgeprägt. Wieso tragen wir, ich sage bewusst „wir“, ein solche Sozialpolitik. Es ist ja nicht so, dass eine Mehrheit gegen Sanktionen bei Arbeitslosengeld II wäre, wie manche unken. Wie stark die Unterstützung dafür ist, wie lebendig der Geist des Anreizens und Bevormundens, das erlebt man bei jedem Grundeinkommensvortrag. Der Beitrag von Herrn Schneider, auf den Sie verwiesen haben, bezeugt das ja ebenfalls. Selbst unter Grundeinkommensbefürwortern gibt es Vorbehalte, manche meinen, es müsse mit einer Bildungspflicht verbunden werden, wie Wolfgang Engler, oder die „Gesellschaft“ müsse sich erst an das BGE „gewöhnen“.
Und zum Thema Macht: Das ist auch immer zweiseitig! Wenn es keinen Rückhalt für politische Entscheidungen gibt, dann hat ein Amt auch keine Macht. Wenn wir als Bürger Entscheidungen nicht tragen würden, wären sie nicht durchzusetzen. Umgekehrt trifft es auch zu, dass wer sich nicht gegen Entscheidungen erhebt und mittels demokratischer Verfahren zu streiten bereit ist, der stimmt zu. Das zeigt sich deutlich an solchen Entscheidungen, von denen man den Eindruck hat, dass die Kritik daran heute überwiegt: Bologna-Reform an den Hochschulen, die Privatisierungswelle öffentlicher Unternehmen oder auch „Hartz4“. Die sind uns nicht übergestülpt worden, da gab es ja einen großen Rückhalt.
Man muss sich als Bürger langfristig einbringen. Es reicht nicht bei einer guten Idee, einmal zu versuchen, Gehör zu bekommen. Eine Idee kann erst verwirklicht werden, wenn es genug Unterstützer gibt. Die Diskussion um das BGE hätte sich nicht etabliert, wenn die Befürworter nach kurzer Zeit aufgehört hätten, die Idee zu verbreiten.
Warum sollte eine Gesellschaft, in der diese Ideen einen großen Rückhalt haben, das BGE unterstützen?
Da haben Sie recht, das scheint auf den ersten Blick in der Tat weit entfernt. Doch, hier haben wir zwei Ebenen, die unterschieden werden müssen: Erstens, wie wird in Deutschland über die Menschen und das Land gesprochen? Nehmen Sie einmal die aktuellen Streiks. Es ist doch sonderbar, dass auf der einen Seite über die Verschlechterung von Einkommen und Arbeitsbedingungen gesprochen wird, auf der anderen dann, wenn für eine Verbesserung gekämpft wird, das aber niemanden ins Gehege kommen soll. Politik ist aber immer Interessenkampf, so auch in diesem Fall, ein Kampf um einen guten Kompromiss, das geht nicht ohne Reibereien. Oder nehmen Sie ein anderes Beispiel: Die ewige Wiederkehr über den Missbrauch von Sozialleistungen, obwohl wir darum wissen, dass der Missbrauch relativ gesehen, nicht das Problem ist. Den Bürgern wird abgesprochen, verantwortungsvolle Entscheidungen für ihr Leben zu treffen und deswegen müsse ja mehr kontrolliert werden (Stichwort: Anreize), aber tatsächlich ist jeder, ganz wie es der Demokratie entspricht, in Fragen seines Lebens auf sich selbst zurückgeworfen. Jeder muss selbst darüber befinden, wie er leben und wie er zum Gemeinwohl beitragen will, wenngleich es durch die Überhöhung von Erwerbstätigkeit hier eine normative Vorspurung gibt. Wir leben von unserer politischen Ordnung her viel freiheitlicher, als es das Gerede darüber erkennen lässt. Diese Diskrepanz gilt es aufzuzeigen, um deutlich zu machen, dass wir teils über Scheinprobleme lösen bzw. über unangemessene Antworten. Nicht mehr Druck brauchen die Bürger – z.B. durch Sanktionen im Sozialgesetzbuch – um Entscheidungen treffen zu können, sondern mehr Freiräume.
Wie kann das geschehen?
In einer Demokratie gibt es dazu nur ein Mittel: öffentliche Diskussion. Dort wäre der Ort, sich darüber zu verständigen, wie wir denn als Gemeinwesen leben wollen, ob an den Vorurteilen über die Hängematte und die Faulen denn überhaupt etwas dran ist oder es sich eben nur um Vorurteile handelt. Wenn es bei Vorträgen über das BGE zu dem Einwand kommt, dass es doch mehr Leute gäbe, die nichts täten, dann frage ich ob der derjenige jemanden kennt, bei dem das der Fall wäre. Meist ist das so, dass derjenigen nicht aus eigener Erfahrung spricht, er hat gehört oder gelesen, dass irgend einer sei, der usw. Wenn ein Beispiel dann aus eigener Erfahrung berichtet wird, ist schnell klar, dass die betreffende Person, die als Beispiel angeführt werden soll, krank ist.
Wie kann das BGE finanziert werden?
Ich bin Soziologe und kein Finanzwissenschaftler. Für die Finanzierungsfrage ist es erst einmal wichtig zu wissen: Was treibt die Leute an? Das BGE steht und fällt damit, wie sich die Menschen einbringen – das gilt übrigens auch heute. Die Daten, mit denen gerechnet wird in Simulationsmodellen, sind Ergebnis von Handeln. Wir müssen uns also Fragen, wie dieses Handeln zustande kommt, was es leitet, das ist eine grundsätzliche Frage, auf die Berechnungen keine Antwort geben. Woran könnten wir nun ganz praktisch anknüpfen? Gehen wir vom heutigen Gefüge an Leistungen zur Sicherung des Existenzminimums aus, stellt sich die Lage so dar Es gibt auf der einen Seite den Grundfreibetrag in der Einkommensteuer, auf der anderen Seite Arbeitslosengeld II und entsprechende Leistungen. Sie dienen der Existenzsicherung. Will man mit dem BGE anfangen, müsste man diese beiden Formen nur gesetzlich umdefinieren und direkt ausschütten. Zugleich würden die alten Leistungen, die ihnen entsprechen, abgeschafft. Dann wäre die Frage, ob das BGE nicht höher ausfallen sollte, als diese bisherigen Leistungen, das ist eine Frage des politischen Willens. Nicht zu unterschätzen ist, wie sich durch das bedingungslose Grundeinkommen womöglich die Wertschöpfung verändern würde. Denn wenn die Möglichkeiten besser sind, eine jedem Einzelnen gemäße Tätigkeit zu ergreifen, wirkt sich das auf das Ergebnis derselben aus, Es ist also gut denkbar, dass wir effizienter und effektiver produzieren könnten, soweit es um standardisierte Güter und Dienst geht. Doch auf für das Bildungswesen und damit Bildungsprozesse hätte das Folgen.
Wie hoch sollte denn der Betrag des BGE sein?
Der Betrag müsste so hoch sein, dass eine alleinstehende Person gut damit über die Runden kommt. Auch da ist allerdings die nächste Frage, wie viel wäre das denn? Das wird man nur pauschal beantworten können, darauf zielt die Diskussion auch.
Und andere soziale Sicherungen wie Renten- , Kranken-, Pflege-, oder Unfallversicherung?
Das Grundeinkommen ist eine Absicherung nach unten, andere Leistungen muss es weiter geben. Die könnten aber ganz anders gestaltet sein, manche wären womöglich überflüssig, nehmen sie die Rentenversicherung von heute oder die Arbeitslosenversicherung. Wer eine dauerhafte Absicherung von der Wiege bis zur Bahre hätte, die höher läge als die heutige Durchschnittsrente, und es weiterhin bedarfsgeprüfte Leistungen gäbe, wären sie da nicht überflüssig?
Welche Rolle spielt das Thema Freiheit in einer Gesellschaft, in der das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt wurde?
Freiheit begreife ich nicht als eine, in der das Individuum wie ein autarkes, sich selbst versorgendes Subjekt, im Zentrum steht. Freiheit ist immer Freiheit in Abhängigkeit. Um frei zu sein braucht das Individuum Andere. Freiheit ist ein Resultat von Fürsorge, denken Sie nur an die Sozialisation. Egal ob elterliche Fürsorge oder das Gemeinwesen, das Freiheit schafft und die Bürger schützt, die Bürger also sich gegenseitig, – ohne sie gäbe es keine Freiheit. Es ist immer Freiheit durch, nicht nur die Freiheit von und die Freiheit zu. Wir sind immer von anderen abhängig und sei es nur von der Toleranz der anderen.
Ein BGE würde genau das herausheben, dass es Freiheit nur durch andere geben kann. Wir wären dann viel freier, was etwa das Thema Familie betrifft. Wir könnten problemlos zu Hause bleiben bei den Kindern, wenn wir das wollen und solange wir es für richtig hielten. Das BGE signalisierte ja, dass genau dies erwünscht sei, während heute alles in Richtung Erwerbstätigkeit drängt.
Die Last der Entscheidungen für das Leben kann einem aber keiner nehmen. Menschen, die momentan einfach nicht fähig sind, arbeiten zu gehen aufgrund ihrer Lebensgeschichte, Traumata haben, die stehen im heutigen Sozialstaat mit dem Rücken zur Wand, weil sie der normativen Verpflichtung, erwerbstätig sein zu sollen, nicht entsprechen. Sie müssen sich Vorwürfe anhören, dass sie anderen auf der Tasche liegen, werden in die Enge gedrängt. Das wäre mit dem Grundeinkommen nicht mehr so, der Druck wäre weg, gerade weil es bedingungslos bereitgestellt würde.
Das erhöhte die Chance, dass diejenigen, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte mit dem eigenen Leben hadern, eher bereit wären, Hilfe in Anspruch zu nehmen, auch therapeutische, wo das nötig wäre, als heute, wo sie als Verlierer betrachtet werden. Die Auswirkungen gingen in alle Richtungen und damit ins Zentrum des Gemeinwesens.
Unsere Sozialisation ist übrigens ein sehr stabiles Gerüst. Das bedingungslose Grundeinkommen würde nichts revolutionär umstürzen. Es wäre eher eine Klärung – wir würden die Möglichkeiten, die wir heute schon haben, noch deutlicher sehen. Es ist auch eine Bürde, ein Zumutung. Denn wir können dann die Verantwortung für unsere Entscheidungen nicht mehr auf andere schieben.
Vielen Dank für das Gespräch!
Louisa Mosemann
21 Jahre alt, angehende Journalistin, momentan noch im Masterstudium in Kaiserslautern. Ehemals (freie) Mitarbeiterin für den SWR, Die Rheinpfalz, Zeit Online.
Kaiserslautern
Quelle
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