Aktuelle Sozialpolitik
Dafür, dagegen - aus der Welt der Diskussion über Sinn und Unsinn eines Grundeinkommens.
Zwei Beispiele:
Zunehmend polarisierend wird über das Thema bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert. Dafür oder dagegen? Als wenn das so einfach ist bei einem derart komplexen Thema, das eben nur scheinbar eine Vereinfachung darstellt, denn man muss die vielfältigen Auswirkungen auf die zahlreichen anderen Bereiche unserer sozialen Sicherungssysteme mitdenken.
Manche aber haben erkannt, dass man auf den Zug aufspringen und eine Menge Resonanz erzeugen kann, wenn man sich beispielsweise für das Grundeinkommen ausspricht.
Der Philosoph Richard David Precht optimiert das gerade mit zahlreichen Interviews, beispielsweise hier: "„
Ich will das Grundeinkommen, um das Schlimmste zu verhindern“. Damit kann man an die vielen unzweifelhaft vorhandenen Ängste in der Bevölkerung adressieren vor dem, was sich gerade oder angeblich in der Arbeitswelt verändert. Wobei man dann natürlich zuweilen seht holzschnittartig argumentieren muss, um die Unausweichlichkeit der eigenen Schlussfolgerung zu untermauern.
Beispiel aus dem Interview: "Grob geschätzt wird vielleicht die Hälfte der Berufe übrig bleiben. Erzieher und Lehrer, auch Krankenschwestern wird es noch geben, man wird sich nicht völlig digital pflegen lassen." Offensichtlich hat er die Frey/Osborne-Studie aus dem Jahr 2013 im Kopf, die nicht nur methodisch sehr umstritten ist, sondern mittlerweile gibt es zahlreiche weitere Forschungsarbeiten, die einen deutlich differenzierteren Befund nahelegen. Die sollte man dann auch mal lesen. Aber egal - man kann ja für das Grundeinkommen werben, deshalb hier auch der Link zu dem Interview.
Und dann melden sich immer wieder die Gegner eines solchen Umbau-Ansatzes zu Wort und warnen vor dem Grundeinkommen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Dazu gehört auch Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Und der hat in seiner Kolumne auf Zeit Online nun einen Beitrag veröffentlicht, bei dem es ihm darum geht, neben seiner Ablehnung des Grundeinkommens eine angebliche Alternative dazu aufzuzeigen - und er bezieht sich dabei explizit auf den neuen französischen Staatspräsidenten Macron, in dessen Land ja heute die Parlamentswahlen stattfinden.
"
Von Frankreich lernen", so der Titel des Beitrags von Fratzscher.
»Moderne Sozialpolitik muss sich an individuelle Lebenslagen und Bedürfnisse anpassen. Das bedingungslose Grundeinkommen kann das nicht. Flexible Erwerbskonten schon.«